INVISIBLE
20.Mai – 03.Juni.2010
nextex, St. Gallen

Dagmar Heppners Werk ist alles andere als eindeutig. Es ist voller Hinweis und Andeutungen. Es gibt Verdecktes, Halbdurchlässiges oder Entferntes. Es ist lediglich eine Ahnung von etwas Unbestimmtem anwesend. Im letzten halben Jahr hatte Heppner reichlich Gelegenheit, ihr Oeuvre in St. Gallen auszubreiten. Man konnte eine Arbeit am Heimspiel 09 und eine Werkschau in der Guerilla Galerie sehen. Formal ist ihr Werk sehr divers angelegt, allen Arbeiten gemein ist eine melancholische Grundstimmung. Im nextex hat Dagmar Heppner den Fenstervorhang abgenommen und die Stoffbahn über eine Stange der an der Decke befestigten weissen Gitterkonstruktion gezogen. Nun hängt da ein Wulst Stoff, säulengleich, gelb und grau, ein riesiger Faltenwurf. Das auslaufende Ende ist auf dem rohen Boden üppig drapiert, den braunen Spannteppich hat sie im Vorfeld entfernt. Der Vorhang, der eigentlich das Fenster verdecken, Blicke oder Licht von aussen abschirmen soll, hängt oder steht nun locker gewrungen, auf barockem Faltenmuster fussend, skulptural anmutend im Raum.
Auch Kleidungsstücke sind derzeit Heppners Forschungsobjekte. Kleidungsstücke umreissen den Körper, verdecken, verhüllen, formen ihn. Heppner zeigt an den Wänden drei Fotoprints von am Boden gefundenen Kleidungsstücken. Während ihres Atelierstipendiums in Danzig hat sie auf dem Areal einige solcher eingenässten, weggeworfenen Kleidungsstücke fotografiert. Es sind nun nicht Körper-umreissende, sondern verrunzelte, faltige, schwerfällige Stoffklumpen, die langsam eins werden mit dem Untergrund. Auf ihren einstigen Gebrauchszweck ist vielleicht noch aus der Materialität oder Farbigkeit zu schliessen.
Und dann sind da noch die zwei Frauen auf dem Ausstellungsplakat. Sie sind von hinten fotografiert worden. Der Kleidung nach sind es zwei ältere Frauen, gemeinsam spazierend und als ob es regnen würde haben sie beide den losen Mantel über den Kopf gelegt.

Karin Bühler, Pressetext